Frühjahrsumfrage 2009 

Frankfurt am Main. Der Arbeitgeberverband HESSENMETALL hat seine Mitgliedsunternehmen im März 2009 nach ihren Einschätzungen über die aktuelle wirtschaftliche Situation und die weitere Entwicklung befragt. An dieser Erhebung haben sich 208 Mitgliedsunternehmen mit 77.500 Beschäftigten beteiligt. Die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie bewerten ihre momentane Geschäftslage zu zwei Dritteln als „schlecht“ oder „sehr schlecht“, ein Drittel als „befriedigend bis gut“. Sie melden Einbrüche in den Indikatoren Auftrags- und Umsatzentwicklung um 25 Prozent in den vergangenen Monaten und einen Rückgang der Beschäftigung um 1,5 Prozent. Die Hälfte erwartet eine weitere Verschlechterung bis Herbst. Aber vier Fünftel der Unternehmen planen bei der Beschäftigung momentan ausschließlich Überbrückungsmaßnahmen wie z. B. Kurzarbeit.

„Das zeigt in erheblichem Maß unternehmerische Zuversicht, mehrheitlich mit den Stammbelegschaften durch die Durststrecke zu kommen“, fasste Prof. Dieter Weidemann, Vorstandsvorsitzender von HESSENMETALL, zusammen. Denn obwohl die Unternehmen aufgrund ihrer Auftrags- und Produktionsrückgänge deutlich weniger Arbeit hätten, als ihre Beschäftigten erledigen könnten, griffen sie überwiegend zu Überbrückungsmaßnahmen wie Kurzarbeit und Abweichungen vom Tarifvertrag – und eben nicht zu Entlassungen in großem Stil. „Das macht ökonomisch nur Sinn, wenn man Licht am Ende des Tunnels sieht“, so Weidemann weiter. Dass mehr als die Hälfte der Unternehmen das Investitionsniveau halten wollten, zeige die hohe Priorität des Innovationswettbewerbs.


„Die bittere Nachricht dieser Umfrage sind die Rückgänge bei der Beschäftigung: von Herbst 2008 bis Frühjahr um 1,5 Prozent – das sind 1.100 Arbeitsplätze weniger. Bis Herbst 2009 erwarten die Unternehmen minus 6,1 Prozent: das sind 4.600 Arbeitsplätze weniger. Dabei handelt es sich nur zum Teil um Entlassungen. In vielen Fällen geht es um Ausnutzen der natürlichen Fluktuation oder freiwillige Vereinbarungen mit den Mitarbeitern“, so Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer von HESSENMETALL. Dass 62 Prozent der Unternehmen Kurzarbeit auch bis Herbst planten und den Anteil der Qualifizierung in Kurzarbeit von 30 auf 70 Prozent steigern wollten, belege ihren klaren Willen zu Überbrückungsmaßnahmen.


Im Frühjahr 2009 haben zwei Drittel der beteiligten M+E-Unternehmen Anpassungsmöglichkeiten an die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung genutzt. 80 Prozent werden es bis Herbst 2009 sein. Der eindeutige Schwerpunkt mit 62 Prozent habe dabei auf Kurzarbeit gelegen und werde dies unverändert auch im folgenden Halbjahr sein.
Abweichungen vom Flächentarifvertrag nach dem Pforzheimer Abkommen oder dem Tarifvertrag Beschäftigungssicherung werden momentan nur von wenigen Unternehmen genutzt. Zwei Drittel halten aber wegen der rapiden Verschlechterung ihrer Geschäftslage eine Verschiebung der 2. Tariferhöhung 2009 für notwendig. „Unter welcher Überschrift auch immer rechnen wir jedoch mit einem starken Zuwachs von firmenbezogenen Regelungen“, so Weidemann. Gleichzeitig sinkende Produktivität und steigende Kosten zu managen, sei die gewaltige Herausforderung, vor der die Metall- und Elektro-Industrie 2009 stehe. Inzwischen erwarteten die meisten Konjunkturforscher und die Bundesregierung in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6 Prozent. In dieser scharfen Rezession schätzen die M+E-Unternehmen das Know-how ihrer Belegschaften gerade an den deutschen und hessischen Standorten. Und deshalb kämpften sie hier um jeden Job. Dass eine solche Kraftanstrengung aber nicht unbegrenzt und auch nicht für alle durchzuhalten sei – auch nicht mit Kurzarbeit –, sei keine Frage des guten Willens der Arbeitgeber, sondern der tatsächlichen Entwicklung ihrer Unternehmen.


Ein Drittel der Unternehmen schätze die Kreditvergabe als „gut“ oder „befriedigend“ ein. 39 Prozent gaben an, überhaupt keinen Bedarf zu haben. Lediglich 23 Prozent bewerten sie als problematisch. „Unsere Unternehmen haben ganz offensichtlich aus früheren Krisen gelernt, gestiegene Umsätze und größere Gewinne in mehr Investitionen gesteckt, deutlich höhere Löhne gezahlt und zugleich ihre Eigenkapitalbasis gestärkt. Anders wäre dieses Ergebnis gar nicht zu erklären“, so Fasbender. Für das kommende Halbjahr wird von 32 Prozent insgesamt eine „vergleichbare“ Situation erwartet, 34 Prozent haben weiterhin keinen Bedarf und 29 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Der Druck nehme also zu. Umso wichtiger sei es, dass das Bankensystem rasch seine volle Funktionsfähigkeit wieder herstelle.


Statements_von Prof._Weidemann_und_Herrn_Fasbender


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