Effizienz nutzt allen
Professor Dieter Weidemann
Vorsitzender von HESSENMETALL in Aktiv vom 20.11.10
Dagegen zu
sein, ist chic und kinderleicht. Viele Deutsche sind zum Beispiel gegen
die Neuregelung von Hartz IV, gegen die Rente mit 67, gegen Flughäfen
und jetzt auch schon gegen Bahnhöfe. Zum ersten Mal hatten wir an
unserem Hessischen Unternehmertag eine Gegen-Demonstration: „gegen
Lohnarbeit, Leistungsterror und Standortkonkurrenz“. Schwierig wird es
jedoch, wenn wir sagen sollen, wofür wir sind. Und noch schwieriger,
wenn wir dafür demokratisch Mehrheiten schaffen wollen. Woher kommt das?
Die jüngste Publikation des Roman-Herzog-Instituts unseres bayerischen
Schwesterverbandes stellt eine tiefe Kluft zwischen Ökonomen und
wirtschaftlichen Laien, also der großen Mehrheit der Bürger, fest.
„Dem
Durchschnittsbürger“ – heißt es dort – „ ist Gerechtigkeit enorm
wichtig, Gleichheit und gerechte Verfahren. Da er niemandem Schaden
zufügen will, lehnt er Änderungen des Ist-Zustands fast immer ab. Er
nimmt dafür in Kauf, einer größeren Gruppe bessere Chancen zu
verweigern. Den Wohlstandskuchen hält er für gebacken und sieht nur
seine Verteilung. Damit unterschätzt er die Wachstumskräfte dramatisch.“
Ökonomen gehen das Problem anders an: Sie wollen den
Wohlstandskuchen möglichst groß machen. Sie schauen auf Folgen, weniger
auf Absichten, und setzen dabei auf Effizienz. Wenn eine Maßnahme das
Gemeinwohl insgesamt erhöht, nehmen sie dafür auch Verluste Einzelner in
Kauf. Bei der Besserstellung der Schwächsten geht es ihnen immer um
Chancen, weniger um finanzielle Unterstützung. Meine Konsequenz ist,
dass Ar beitgeber und Arbeitnehmer im Dialog miteinander
Gerechtigkeitsüberlegungen besser mit wirtschaftlichen Effizienzen
verzahnen. Und dass wir Initiativen starten, die für gezielte
Veränderungen sind, die den meisten nützen. Beim Ausbau des Frankfurter
Flughafens ist das durch Mediation gut gelungen. Weiter so!
„Dagegen
sein ist leider chic und kinderleicht“